Patrick Meinhardt - FDP-Bundestagsabgeordneter für Mittelbaden

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Freitag, 18. Mai 2012

09.03.2010

MEINHARDT: Es darf keine Unkultur des Schweigens, Verdeckens und Versteckens mehr geben!

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Zu den Missbrauchsfällen an schulischen und kirchlichen Einrichtungen erklärt der FDP-Bundestagsabgeordnete Patrick Meinhardt, der bildungspolitischer Sprecher und Sprecher der Gruppe „Christen in der FDP-Bundestagsfraktion“ ist:

Die schrecklichen Vorkommnisse an Schulen, Jugend- und Behinderteneinrichtungen müssen nun bedingungslos aufgearbeitet werden. Es darf keine Unkultur des Schweigens, Verdeckens und Versteckens mehr geben. Der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Lehrer, Geistliche und Erzieher fügt den Opfern schreckliche seelische und körperliche Qualen zu. Diese körperlichen Verletzungen dauern psychisch ein ganzes Leben an. Umso wichtiger ist es gerade für die Opfer, dass solche Verbrechen auch dann noch aufgeklärt werden, wenn sie bereits Jahre, sogar Jahrzehnte zurückliegen.

Gleichzeitig ist es aber auch für die öffentlichen und kirchlichen Einrichtungen wichtig, durch schonungslose und transparente Aufklärung verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen.

In meinen Augen sind konkret folgende Schritte notwendig, um Betroffene, die als Kinder und Jugendliche Opfer dieser schrecklichen Verbrechen wurde, zu unterstützen:

1. Im Mittelpunkt aller Aufklärungsarbeit muss das Interesse der Opfer stehen. Sie wurden über Jahrzehnte hinweg alleine gelassen und mussten ihr Schicksal häufig ohne professionelle Unterstützung ertragen. Das weitere Vorgehen muss nun ganz an der Linderung des Leides der Betroffenen ausgerichtet sein.

2. Hierfür ist es notwendig, dass Missbrauchsfälle offen angesprochen und transparent aufgeklärt werden. Es darf in keinen Bereichen eine Mauer des Schweigens oder eine Haltung des Verdrängens geben. In den vergangenen Wochen und Monaten haben sich viele Vertreter der Kirchen und Schulen aufrichtig um ehrliche und unvoreingenommene Aufklärung bemüht. Deren Engagement muss gewürdigt und unterstützt werden. Nur durch die transparente Kooperation kirchlicher Stellen mit den Behörden kann eine pauschale Verurteilung kirchlicher Schulen und Einrichtungen verhindert werden. Dies ist nicht zuletzt aufgrund der wertvollen Bildungsarbeit kirchlicher Schulen auch im gesamtgesellschaftlichen Interesse.

3. Ein wichtiger erster Schritt zur Aufklärung der Missbrauchsfälle ist die von der Bundesjustizministerin angeregte Einrichtung eines Runden Tisches. Durch ein solches Gremium unter Beteiligung der Opfer, von Ärzten, Schulträgern und der Kirchen kann eine offene und transparente Aufarbeitung der Vorfälle sichergestellt werden. Daher ist es auch ein gutes Zeichen, dass von Seiten der katholischen Kirche die Bereitschaft zur Mitarbeit an einem solchen Runden Tisch in den vergangenen Tagen erklärt wurde.

4. Daneben muss auch die juristische Relevanz der Missbrauchsfälle nicht außer Acht gelassen werden. Dabei geht es sowohl um strafrechtliche Verfolgung der Täter als auch um finanzielle Entschädigung der Opfer. Da die meisten Fälle vor Jahrzehnten vorgefallen sind, kann eine Verlängerung der Verjährungsfristen hilfreich sein und darf nicht im Vorfeld tabuisiert werden.

5. Unsere Gesellschaft muss sensibel sein für Fälle von körperlichem und se-xuellem Missbrauch und gleichzeitig müssen wir unsere Kinder und Jugendliche zu selbstbewussten und aufgeklärten jungen Menschen erziehen. Nur so können wir weitere Missbrauchsfälle in der Zukunft vermeiden.

6. Die Heilung des Leides der Opfer muss nun oberste Priorität haben. Hierzu werden auch finanzielle Anstrengungen notwendig sein. Alle betroffenen Einrichtungen müssen gemeinsam mit dem Bund einen Fond zur Unterstützung von Therapien und Behandlungen der Betroffenen einrichten. Die Opfer haben es verdient, ein Leben ohne Ängste und Qualen zu führen. Hierfür darf keine Anstrengung zu groß sein.

7. Die Kultusministerkonferenz, vor allem aber die Landesbildungsminister müssen sich ohne große bürokratische Verzögerungen der Frage der Prävention annehmen. Hier müssen Lehrer, Eltern und Schüler eingebunden werden. Eine Kultur des Hinsehens ist zu schärfen.


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